Eine „map of malignity“ innerhalb von TOPOI? In der Tat sind magische und magisch kontaminierte Räume ein fester Bestandteil antiker Räumlichkeit. Prominentes Medium sind hierbei die sog. „Fluchtafeln“ (defixiones). Das sind dünne Bleitäfelchen, auf denen Fluchtexte geschrieben wurden, um durch übernatürliche Kräfte einem Gegner Schaden zuzufügen. Diese ausnahmslos epigraphisch überlieferte Quellengattung wurde von der älteren Forschung weitgehend ignoriert, fand aber auch bei antiken Autoren kaum Erwähnung, obgleich es sich um ein zeitlich und räumlich weit verbreitetes Phänomen handelt. Mehr als 1.500 griechischsprachige Exemplare solcher defixiones sind ans Licht gekommen, vielfach stammen sie von Gräbern und Friedhöfen, aus den Heiligtümern chthonischer Gottheiten (Demeter, Persephone) oder aus unterirdischen Wasserreservoirs (Quellen, Brunnen). Die frühesten Beispiele gehören noch in die klassische Zeit (5. Jh. v. Chr.), die spätesten stammen aus spätrömischer Zeit. Das in Area B angesiedelte Editionsprojekt soll einmal alle bekannten Fluchtafeln der antiken Welt umfassen und zugänglich machen. Nach sorgfältiger Restauration unter Einsatz moderner digitaler Phototechnik konnten frühere Lesarten bei fast jeder Tafel revidiert werden und es ist quantitativ und qualitativ ein deutlicher Textgewinn zu verzeichnen. Das Projekt wurde als Band XVI zusätzlich in den Editionsplan der Inscriptiones Graecae (http://www.bbaw.de/forschung/ig) aufgenommen. Drei Faszikel sind geplant, nach Erscheinen des 1. Faszikels werden die Texte zugleich in der Loeb Classical Library mit englischer Übersetzung und Kommentar erscheinen.

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