Am 16. Oktober 2018 startet die öffentliche Veranstaltungsreihe “Die Spätantike – eine expandierende Epoche?” des Exzellenzclusters Topoi im Wintersemester 2018/2019

Mosaiken, San Vitale in Ravenna, Mitte 6. Jh. / Collage mit Fotos von Ruge, CC BY-SA 4.0 via commons.wikimedia.org

Wie lange dauerte die Antike? Gab es überhaupt eine Zäsur, einen Epochenwechsel, einen Endpunkt? Die öffentliche Vortragsreihe: “Die Spätantike – eine expandierende Epoche?” widmet sich einer Zeit, die oftmals nur als Epoche des Über- oder sogar Niedergangs wahrgenommen wurde. Vermehrt gilt das Interesse gegenwärtiger Historikerinnen und Historiker jedoch nicht mehr dem Ende der Antike ‒ diskutiert wurden unter anderem der Beginn der “Völkerwanderung” (375), der Zusammenbruch des Weströmischen Reiches (476) oder sogar die Kaiserkrönung Karls des Großen (800) – sondern der Ausstrahlung und Transformation der antiken Kultur – etwa im westlichen Mittelalter, Byzanz oder dem frühen Islam. Altertumswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlicher aus verschiedenen Disziplinen wie der Archäologie, der Ägyptologie, der Byzantinistik, der Geschichtswissenschaft, der lateinischen Philologie, der Numismatik und der Rechtsgeschichte führen in neue Forschungsfragen ein und geben einen umfassenden Überblick über die Spätantike. Die Veranstaltungsreihe des Exzellenzclusters Topoi in der Reihe “Offener Hörsaal” der Freien Universität beginnt am Dienstag, den 16. Oktober, und findet wöchentlich statt. Sie ist öffentlich, der Eintritt frei. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Kaum eine vormoderne Epoche hat in den vergangenen Jahrzehnten einen solchen Aufschwung in der Wahrnehmung der historisch interessierten, nicht nur wissenschaftlichen Öffentlichkeit genommen wie die Zeit der ausgehenden Antike. Mit der Zunahme des Forschungsinteresses ging dabei häufig auch die Ausweitung des als “Spätantike” bezeichneten Zeitraumes einher.

Doch was meint der Begriff “Spätantike” eigentlich, wie ist er in Mode gekommen und auf welchen Zeitraum lässt er sich sinnvollerweise beziehen? Ist die Spätantike überhaupt als zusammenhängende, kohärente Epoche zu verstehen? Und warum scheint die Annahme einer produktiven Spätzeit der Antike unserem heutigen Geschichtsverständnis mehr entgegenzukommen als früheren Wissenschaftlergenerationen, für die Niedergang und Dekadenz die ersten Assoziationen waren, die sie mit dem Ausgang der Antike verbanden?

In der Ringvorlesung, konzipiert von Stefan Esders, Professor für Geschichte der Spätantike und des Mittelalters am Friedrich-Meinecke-Institut der Freien Universität, werden diese Fragen ausgehend von aktuellen und laufenden Forschungen diskutiert und dabei der Anteil der verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen an der Erforschung der Spätantike beleuchtet. Die Vortragsreihe – für die auch internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gewonnen werden konnten – ist eine Veranstaltung des Exzellenzclusters Topoi der Freien Universität Berlin und der Humboldt-Universität zu Berlin. An Topoi beteiligt sind neben den beiden Universitäten auch alle anderen mit der Erforschung der Antike befassten Einrichtungen in Berlin: die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, das Deutsche Archäologische Institut, das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz.

Das Vortragsprogramm Offener Hörsaal der Freien Universität umfasst noch drei weitere Themenschwerpunkte im Wintersemester 2018/2019: Veritas, Iustitia, Libertas: Konturen einer wertorientierten Universität der Zukunft, Zum Gedenken an Lise Meitner und Zwischen Liebe und Revolte – Studentische Lebensformen im Film der Nachkriegszeit. Die Vorträge richten sich nicht nur an Studierende, der Hörsaal steht allen Interessierten offen.

Mehr Informationen