Instrumente der Interdisziplinarität

TOPOImap und TOPOIorganon – ein Werkstattbericht

 

Wie können interdisziplinäre Forschungsverbünde ihre inhaltliche Zusammenarbeit bewerk­stelligen? Die Vernetzungs-Gruppe der Keytopics und Labs in Topoi hat dazu ein Instrumentarium entwickelt, das sich aus einer interaktiven Begriffskarte (TOPOImap) und einem diskursbezogenen Online-Lexikon (TOPOIorganon) zusammensetzt. Der jetzige Stand ist online unter www.topoi.org/topoimap/ zu finden. An dieser Stelle berichten wir von einigen entscheidenden Überlegungen und Schritten bei der Entwicklung von Map und Organon.
Die Kartierung

Am Anfang stand das Bedürfnis, Orientierung in den vielen inhaltlich-methodischen Tätigkeitsfeldern des Clusters insgesamt zu gewinnen, woraus sich der Gedanke entwickelte, ein übersichtliches und handhabbares Mapping seiner theoretischen und methodischen Begriffe vorzunehmen. In einem ersten Schritt wurden die etwa 150 Projektbeschreibungen der Forschungsgruppen im Hinblick auf die Frage durchforstet: Welche Begriffe sind häufig und in unterschiedlichen disziplinären Kontexten zu finden? Diese Begriffe wurden zunächst intuitiv gruppiert. In einem Prozess der Weiterentwicklung, Ergänzung, Korrektur und Aushandlung entstand ein erstes Achsenkreuz aus den vier Begriffen Wissen, Kultur, Transformation und Repräsentation. Das Potenzial dieses Schemas erwies sich darin, dass es möglich war, die zentralen Begriffe der Forschungsprojekte recht zwanglos in dieses einzutragen.

Dieses diagrammatische Medium der TOPOImap sollte nun interaktiv zugänglich werden. Die Idee war, dass Forschende ihr eigenes Projekt als Begriffskomplex in der Karte auffinden und ins Verhältnis zu anderen Forschungsprojekten setzen können. Es wurde also eine Zuordnung zwischen Projekten und Begriffen programmiert, mit dem Resultat, dass die einer Forschungsgruppe zugehörigen Begriffe ebenso sichtbar wurden wie umgekehrt die mit einem bestimmten Begriff arbeitenden Gruppen.

Es gibt zwei Zugänge zur Funktionalität von TOPOImap: Über die Seitenleisten können Forschungsgruppen angewählt werden, um sich die begrifflichen Verknüpfungen der Gruppe darstellen zu lassen. Es können aber auch bestimmte Begriffe angeklickt werden. Angezeigt wird für welche Gruppen dieser Begriff relevant ist. Mit dem TOPOIorganon ist eine weitere Funktion installiert: Mit dem Klicken auf einen Begriff erscheint unterhalb der Karte ein Verweis auf einen kurzen Artikel, der einen Überblick über wichtige Aspekte des Begriffs und einschlägige Literatur liefert.
Das Organon

Die Integration des Begriffslexikons TOPOIorganon hat ihre eigene Vorgeschichte. Der anfängliche Impuls lag in der Beobachtung, dass Missverständnisse und unaufgelöste Kontroversen im Cluster in unterschiedlichen Verwendungen zentraler Begriffe begründet waren.

Worin besteht die spezifische, von anderen Lexika zu unterscheidende Form des Organons? Gegenstände der jeweiligen Texte sind hier nicht – wie in Fachlexika – Sachen (die dann jeweils in disziplinär fokussierter Weise erläutert werden) und auch nicht eine zufällige Ansammlung von Aspekten (wie etwa in Wikipedia), sondern dezidiert Diskurse. Mit der entschiedenen Fokussierung auf begriffsprägende Diskurse erfüllt das Organon eine Funktion, die kein anderes Nachschlagewerk bisher bereitstellt: es wird möglich, die Denk- und Redeweisen disziplinär anders sozialisierter ForschungskollegInnen bis hin in ihre Motivlagen nachzuvollziehen und über dieses Verständnis Anschlüsse an die eigenen Konzepte herzustellen.

Perspektiven

Mit der TOPOImap wurde eine spezifische Kartierung der Begriffslandschaft eines Forschungsclusters erprobt, die in analoger Weise auf die Begriffswelten anderer Forschungsverbünde übertragen werden kann. Dieses Element kann, muss aber nicht mit einem Begriffslexikon kombiniert werden. Für das TOPOIorganon ist geplant, es als selbstständiges, allgemeines und frei zugängliches Online-Lexikon interdisziplinär relevanter Begriffe weiter zu entwickeln. Die Online-Präsenz des Organons wird eine Kommentierungsfunktion bereitstellen, so dass NutzerInnen zu fehlenden oder unzureichend dargestellten Diskursen Stellung nehmen können. Ziel ist mittelfristig, das Organon zweisprachig zu führen und somit ein Werkzeug für interdisziplinäre Forschung im internationalen Feld bereitzustellen.