Geschichte

Der Burgwall von Lossow wurde als befestigte Siedlung in der späten Bronzezeit auf einem markanten Hochufer an der Oder errichtet (12. Jh. v. Chr.). Nach dieser Nutzungsphase etablierte sich auf gleichem Platz ein früheisenzeitliches Kultzentrum (8.-6. Jh. v. Chr.), dessen Bedeutung und Außergewöhnlichkeit sich durch die Befunde von über 60 lokalisierten, bis zu 8 m tiefen sog. Opferschächten auszeichnet, die mit Menschen- und Tierskeletten verfüllt waren. Es ist davon auszugehen, dass der Burgwall bereits als befestigte Siedlung in der späten Bronzezeit Zentralortcharakter besaß, der mit dem Funktionswechsel zum Kultplatz in der frühen Eisenzeit neue Dimensionen und Inhalte erhielt.

 

Ziele

Die Ziele des Forschungsprojektes „Lossow“ ergeben sich aus dem bisherigen ungenügenden Forschungs- und Wissensstand zu diesem bedeutenden Fundplatz. Zentrales Anliegen des Projektes ist es, in interdisziplinären Untersuchungen die Voraussetzungen und Gründe herauszuarbeiten, die zur Herausbildung des Zentralortes und seinen Funktionen führten. So stehen zum einen Fragen nach der bronzezeitlichen Burgwallsiedlung im Mittelpunkt der Untersuchungen (Innenbebauung, Nachweise von wirtschaftlichen/handwerklichen Tätigkeiten, zentralörtliche Funktionen). Zum anderen ist bis heute nicht geklärt, wie es zur Entstehung des Kultplatzes in der frühen Eisenzeit kam und ob es beispielsweise neben den Opferschächten andere Neben- oder gar Kultbauten gegeben hat. Ebenso wurde die umfassende Analyse des siedlungsgeschichtlichen Umfeldes der Anlage bisher vernachlässigt, so dass über die regionale Einbindung des Burgwalls kaum Aussagen getroffen werden können.

Vor diesem Hintergrund wurden 2008/09 archäologische Untersuchungen im Burgwallinnenbereich sowie im Frühjahr 2009 auch im Burgwallaußenbereich durchgeführt. Hier konnte die zum bronzezeitlichen Burgwall zugehörige Vorburgsiedlung lokalisiert und in einem ersten Ausschnitt archäologisch untersucht werden. Zudem befinden sich in unmittelbarer Nähe mindestens ein zeitgleiches Gräberfeld und weitere offene Ansiedlungen. Auch diese archäologisch bedeutsamen Fundplätze werden in die weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen zur komplexen Beurteilung eines Zentralortes einbezogen.

 

Publikation

Erste Ergebnisse der umfassenden Prospektions- und Grabungstätigkeiten sind bereits aufgearbeitet und zur Publikation in der neu gegründeten Publikationsreihe Lossower Forschungen Bd. 1 vorgelegt worden (Beilke-Voigt, I./Schopper, F. (Hrsg.), Lossow – Alte Forschungen und neue Projekte. Materialien zur Archäologie Brandenburgs Bd. 4. Lossower Forschungen Bd. 1 (Rahden/Westf. 2010).

Das Projekt untersucht die schriftlichen Quellen zur hethitischen Stadt Nerik in Nordanatolien, die seit vielen Jahren in Verbindung mit Oymağaaç Höyük gebracht wird.

Die Texte sind Tontafeln mit ḫattischer oder auf hethitischer Keilschrift geschrieben. Nerik wird in zahlreichen Texten ganz unterschiedlicher Genres genannt, die zumeist aus der hethitischen Hauptstadt Ḫattuša kommen und den Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis zum 12. Jahrhundert vor Christi erfassen.

Ein Schwerpunkt der Arbeit ist die Auswertung der sogenannten Feldzugsorakel mit dem Ziel, geographische Auskünfte über die Stadt und ihre Region zu gewinnen.

Die Untersuchung der Dokumente fokussiert auch auf die Analyse der historischen Quellengruppen, um ein Bild der Geschichte Neriks wiederzugeben. Sie ist stark mit den Ereignissen eines anderen Volks Namens Kaškäer verbunden, deren häufige Plünderungen und Streifzüge die Reisen in die nordanatolische Region erschwerten. Wie viel diese Bevölkerungsgruppe in der Region tatsächlich zerstörte, und wie umfangreich die Konflikte zwischen den Hethitern und den Kaškäern im Gebiet war, sind einige zentralen Fragen dieser Untersuchung. Hieraus folgt die Diskussion über die nach den propagandistischen Quellen vom König Ḫattušili III. angebliche Wiedereroberung und Wiederaufbau der Stadt. Um ihren Wert besser einschätzen zu können, werden die sogenannten Kultinventare untersucht, die von den religiösen Aktivitäten in den verschiedenen Städten des Reiches erzählen. Diese Auskünfte werden außerdem mit den Beschreibungen der kultischen Handlungen betreffend Nerik verglichen, um ein ausführliches Bild über die Feste von Nerik zu gewinnen. Es wird versucht, einerseits die Rolle der Stadt Nerik in Hinblick auf die wichtigsten Staatsfeste von Ḫatti zu definieren, andererseits die lokalen Zeremonien wieder zu rekonstruieren.

Ziel des gesamten Projekts ist eine eingehende Vorstellung der antike Stadt Nerik zu gewinnen.

Jana Škundrić studied Classical Archaeology at the Faculty of Philosophy in Belgrade, Serbia. Long time involving in archaeological research at the Late Antique Imperial palace of Felix Romuliana (E. Serbia) resulted with current doctoral fellowship in Topoi Cluster. A key area of present research is the extent to which cultural and political systems within the Late Roman Empire, as well as shifts in economic power and the attraction of local elites, influenced the setting of the palace and the range of scale and function in which it could play a role as a Central place.

Friederike Fless is professor of Classical Archaeology at the Freie Universität Berlin. She has been director of the Excellence Cluster Topoi from October 2007 through February 2011. As of April 1, 2011, she was appointed President of the German Archeological Institute as the successor to Hans-Joachim Gehrke. Her current research focuses on the formation and transformation of the Roman frontier on the Crimea as well as the borders of the City of Rome and the walls of the city of Zeugma at the Euphrates.

The castle mound of Lossow was built as a fortified settlement in the late Bronze Age (10th century B.C.). After a use phase of ca. 200 years, a supra-regionally significant, early Iron Age cult center developed on this site (8th-6th century B.C.). Several pieces of evidence indicate that the site of the finds had a central-site character. This evidence will be explicitly elaborated and presented. So far, there is no knowledge about central-site functions in dependence on the settlement-historical and natural-spatial surroundings. But the inventory of archaeological finds offers great potential for not only a complex, but also a complete, consistent investigation and analysis of the three interrelated components: central site – open settlement spaces – accompanying fields of graves. Also unexplored until now have been the connections between, on the one hand, the geomorphological and the natural-spatial circumstances and, on the other hand, the erection of the castle mound or the surrounding settlement and grave-field structures that arose at about the same time

The members of the Research Group “Central Places and their Environment” work on projects dealing with individual sites having the character of central places or with limited regions in which networks of settlements were present. Cities, seats of power, and sacred sites are investigated in terms of their significance for, and their shaping influence on, the surrounding regions. These themes are explored in direct collaboration with scientists from the archaeological sciences and earth sciences. The network of relations between the central site or settlements in spaces of limited extension and their surroundings is studied. This involves reconstructing the development of the respective central site and of the historical landscape, as well as the respective site factors, and analysing the structure of relationships to the surrounding territory and the connecting region. The influence such central places exerted on the surrounding space are compared in terms of various cultures, regions, and societal systems. The focal areas of investigation are the Mediterranean region, the Black Sea area, Central Asia, and the Middle East. Studies include central places for which adequate historical sources are available, but also sites from preliterate epochs.