Zwischen reichem Vermächtnis und schwerem Erbe

Workshop vom 24. bis 25. Oktober über Den Einfluss der sowjetischen Archäologie auf die gegenwärtigen Forschungen in den GUS‐Staaten und ihre Reflektion im globalisierten wissenschaftlichen Alltag

 

In der archäologischen Forschung in der eurasischen Region hat es seit dem Kollaps der Sowjetunion große Umwälzungen gegeben, die mit der Entwicklung eigenständiger “nationaler” Archäologien in den GUS‐Staaten einhergingen. Der Fall des Eisernen Vorhangs ermöglichte einen regen Austausch und Kooperationen mit westlichen Forscherinnen und Forschern, wodurch die Archäologien dieser Länder und der westlichen Staaten mit teilweise gegensätzlichen Paradigmen konfrontiert wurden. In jedem Land ist die Begegnung mit diesem Umstand unterschiedlich verarbeitet worden, ein Vorgang, der bis heute nicht abgeschlossen ist. Trotz dieser Veränderungen finden sich in der eurasischen Region auch ein Vierteljahrhundert später bemerkenswerte Spuren der sowjetischen archäologischen Praxis, die besonders Forscherinnen und Forscher aus westlichen archäologischen Schulen immer wieder vor Schwierigkeiten stellen. Eine vertiefte Auseinandersetzung mit der sowjetischen Archäologie ist ein weiterer Schritt zum Aufbau einer gemeinsamen Kommunikationsebene in den internationalen archäologischen Projekten in den GUS‐Staaten.

Im Rahmen des Workshops soll der Auswirkung der sowjetischen archäologischen Praxis in der gegenwärtigen Forschung nachgegangen werden: Spiegelt sich dieser Einfluss auf der theoretischen Ebene, beispielsweise in der Interpretation der materiellen Hinterlassenschaften, wieder? In diesem Bereich bedürfen die in der sowjetischen Archäologie wurzelnden Herangehensweisen und Methoden einer kritischen Auseinandersetzung. Andererseits soll dem epistemologischen Potenzial einiger wenig reflektierten Ideen und Ansätze der sowjetischen Archäologie in der westlichen Forschung nachgegangen werden. Ebenso ist die Beschäftigung mit der wissenschaftlichen Alltagspraxis von Interesse, die beispielsweise bei Aufarbeitung von Materialien von Altgrabungen oder auch während der Feldarbeit eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt. Die Grabungs‐, Dokumentations‐ und Archivierungsmethoden aus sowjetischer Zeit sind nach wie vor ein großer Einflussfaktor bei der Auseinandersetzung mit der archäologischen Evidenz in aktuellen Forschungen in der Region.

Schwerpunkte sind u.a. Themen wie:

  • Die Vordenker‐Troika Marx – Engels – Morgan: Der historische Materialismus und seine Nachwirkung in der gegenwärtigen Archäologie in der gesamten Forschungswelt
  • Die archäologischen Forschungen zur Ethnogenese: Die ethnische Deutung in der Sowjetzeit und ihr Nachhall in den gegenwärtigen Archäologien der Nachfolgestaaten der UdSSR
  • Die Vergangenheit als Geschichte der Produktivkräfte: Sowjetische Studien zur Paläowirtschaft und sozialen Verhältnissen – forschungsgeschichtliche Relikte mit viel Potential?
  • Первобытный=Prähistorisch? Paradigmenkonflikte und daraus resultierende Übersetzungsprobleme bei der Aufarbeitung der (post)‐sowjetischen Publikationen
  • Sowjetische Grabungs‐ und Dokumentationspraxis: Ein externer Blick auf den Forschungsalltag

Weitere Themenvorschläge sind herzlich willkommen! Abstracts (150‐300 Wörter) können bis zum 01.09.2016 an janaeger@zedat.fu‐berlin.de gesendet werden.

Vortragsprache: Deutsch und Englisch

Mehr Informationen